Zum Einstieg ein kleines Quiz: Was ist das?
Nein, das sind keine Würmer, sondern чак-чак (Tschak-Tschak), eine Art tartarischer Kuchen oder Süßspeise. Also nicht typisch russisch, aber trotzdem typisch für den Süßspeisengeschmack der Russen. Meine allererste Begegnung mit Tschak-Tschak hatte ich bereits während meiner ersten Tage in Russland. Wir waren zu Besuch bei Yuris Familie und in der Küche stand dieses "Ding" rum, das entfernt an ein Gehirn erinnerte. Ich war neugierig und fragte Martin, ob er wüsste, was das sei. Aus seiner Antwort sprach das wahre Entsetzen: "It is the most disgusting thing I ever ate. THEY say it is some kind delicacy. I had to eat it yesterday and it is nothing but pure sugar soaked with fat" (auf Deutsch: "Es ist das widerlichste, das ich jemals gegessen habe! SIE (damit meint er die Russen) sagen, dass es eine Spezialität ist. Ich musste es gestern essen, weil es mir angeboten wurde und es ist nichts als purer Zucker der in Fett getränkt ist". Diese Beschreibung hat mich erst einmal davon abgehalten, Tschak-Tschak zu probieren. Ich habe es zwar immer neugierig betrachtet, mich aber nie rangetraut. Erst nach mehr als zwei Monaten habe ich Zhenyas Tschak-Tschak wohl etwas zu neugierig angeschaut und er hat mir daraufhin etwas angeboten. Im Prinzip hatte Martin mit seiner Beschreibung recht: Ich habe später im Internet gelesen, dass Tschak-Tschak Teig ist, der in kleine Röllchen geformt wird, danach frittiert wird und zuletzt mit einer Zucker-Honig-Mischung übergossen wird. Das Ganze hat eine klebrig-weiche Konsistenz, die an den Zähnen kleben bleibt. Es ist zwar nicht das Leckerste, was ich je gegessen habe, und es ist auch tatsächlich von einer kaum vorstellbaren Süße, aber es ist auch auf keinen Fall widerlich. Und es kann auch echt lecker aussehen (einfach mal чак-чак bei der google Bildersuche eingeben). Martin mag nur einfach kein süßes Essen.
Im Allgemeinen ist hier alles einen kleinen Tick süßer als in Deutschland. Martins Kommentar dazu ist: Russen mögen alles extrem - extrem süß, extrem salzig, extrem viel Knoblauch... (Martin liefert viele Kommentare zu Russischen Lebensgewohnheiten ab). Tee trinkt man nur mit mindestens zwei Löffeln Zucker, Kuchen sehen immer etwas künstlich aus und statt mit Sahne sind sie mit Schokokuss-Creme gefüllt. Bonbons oder Pralinen (конфеты) muss man hier nicht in großen Packungen kaufen, sondern kann sich einzeln etwas abfüllen, so wie in der Gemüseabteilung. Allerdings erscheinen mir selbst die Pralinen süßer als in Deutschland, weshalb ich lange Zeit einen großen Bogen um alles Süße gemacht habe. Nach drei Monaten und etlichen Höflichkeits-Kuchenstücken, die ich nicht ablehnen konnte, habe ich mich etwas an die russische Süße gewöhnt.
Ich habe mittlerweile sogar einige Dinge entdeckt, die mir gut schmecken und die ich in Deutschland bestimmt vermissen werde. So zum Beispiel козинак (Kosinak). Vom Aussehen leicht zu verwechseln mit Vogelfutter. Es besteht aus Kernen (Sonnenblume oder Sesam) oder Erdnüssen, die mit Honig in Stangenform zusammengeklebt sind. Bei der Recherche bin ich gerade darauf gestoßen, dass es eine georgische Spezialität ist. Es passt also in die Reihe nicht-russischer Spezialitäten, die hier so beliebt sind, dass ich sie schon wieder als typisch Russisch bezeichnen würde. Halva, Baklava und Türkischen Honig bekommt man hier nämlich auch in jedem Supermarkt und ich habe sie schon oft zum Tee angeboten
Dienstag, 7. Februar 2012
Samstag, 4. Februar 2012
Sprachencamp
Alles hat damit angefangen, dass wir Mitte Dezember eine email bekommen haben, die über drei Ecken an uns weitergeleitet wurde, und in der die Alliance Francaise Togliatti (so etwas wie das Goethe-Institut nur für Französisch) darum gebeten hat, dass wir an ihrem Sprachencamp teilnehmen. Lange war uns unklar, wie die überhaupt darauf gekommen sind, dass wir in Togliatti leben, aber am Ende war es wie immer in dieser Stadt: Jeder kennt irgendwie jeden und schuldet jedem noch einen Gefallen. Anscheinend hat der Direktor der Alliance Francaise den Kontakt zwischen Chance (unsere Organisation) und dem internationalen Büro der Universität hergestellt, das letztendlich alle unsere Visa-Angelegenheiten geregelt hat.
Das Camp hat direkt in Togliatti stattgefunden. In einem Ferienlager für Kinder direkt in der "grünen Zone" (so heißt der große Wald mitten in der Stadt an der Wolga). Eine sehr schöne Umgebung also - aus meinem Fenster im dritten Stock konnte ich direkt auf den Fluss blicken.
An dem Camp haben 80 Kinder und Jugendliche im alter von 7-17 Jahren teilgenommen und es war komplett anders organisiert als die Camps, bei denen ich bis jetzt mitgearbeitet habe. Das hat schon damit angefangen, dass es eine hauptamtliche Organisatorin gab, die während dem Camp allerdings kaum in Erscheinung getreten ist und mit der ich auch sonst kaum Kontakt hatte, und sonst eigentlich niemand an der Planung beteiligt war. Das hat mich etwas gestört, weil ich eigentlich vollkommen unvorbereitet in die ganze Sache reingegangen bin, was mir überhaupt nicht gefallen hat. Ich hatte vorher weder eine Ahnung, wer die anderen Mitarbeiter sind, noch den Ort gesehen, noch eine genaue Vorstellung wie mein Tag aufgebaut ist und wie ich meinen Aufgabe gestalten soll. Wir hatten eine Besprechung mit der Organisatorin und zwei Wochen vor Campbeginn haben wir das Programm und eine Liste mit mehr oder weniger aussagekräftigen Themen für den Unterricht zugeschickt bekommen.
Meine Aufgabe war es Deutsch zu unterrichten, wie immer die undankbarste Aufgabe überhaupt. Kevin drückt sich immer davor Deutsch zu unterrichten, weshalb das immer an mir hängen bleibt. Undankbar ist es deshalb, weil es sowohl in der Schule, an der wir unterrichten, als auch im Camp immer nur sehr wenige Leute gibt, die Deutsch lernen und deren Sprachkenntnisse sind zudem meistens noch sehr schlecht, weil die wenigsten Deutschlehrer hier jemals in Deutschland gewesen sind. Im Camp kam noch dazu, dass alle Kinder zwei Sprachen wählen mussten, die sie im Camp lernen wollten, und viele einfach Deutsch gewählt haben, weil sie weder Deutsch noch Französisch gesprochen haben, man aber für Französisch eine Sprachstandseinstufung machen musste. Ich musste dadurch Schüler, die kein Wort Deutsch gesprochen haben, und Schüler, die seit mehreren Jahren Deutsch lernen und teilweise auch recht gut gesprochen haben, in einer Gruppe integrieren, was letztendlich unmöglich war. Normalerweise hätte ich laufend Deutsch sprechen müssen, um wirklich von Nutzen für die besseren Schüler zu sein, aber dann hätte mich ein Großteil nicht verstanden.
Der Aufbau des Camps war strikt nach Verantwortlichkeit getrennt. Es gab Teamleiter, die jeweils zu zweit eine Gruppe von 20 Kindern aufgeteilt nach Altersgruppen geleitet haben. Martin war Teamleiter in der ältesten Gruppe. Was meiner Meinung nach Schade war und dem Konzept eines Sprachcamps etwas widersprochen hat, war, dass von den Teamleitern außer Martin und noch einem Russen niemand wirklich Englisch gesprochen hat. Ich verstehe ja, dass man kleinen 7-10 jährigen Kindern jemanden zur Seite stellen muss, der mit ihnen in ihrer Muttersprache spricht, aber die älteren Gruppen hätten sicher mehr davon profitiert, wenn man rund um die Uhr Englisch mit ihnen gesprochen hätte. Martin hat das in seiner Gruppe durchgezogen und ich habe von vielen Jugendlichen gehört, dass ihnen das gut gefallen hat. Leider war er der einzige, der das machen konnte, wodurch der Großteil der Teilnehmer nur für einen halben Tag (während der Unterrichtszeit) in einem Sprachcamp war und abseits davon Russisch geredet hat. Ich hatte teilweise das Gefühl, dass meine Workcamps im Sommer mindestens genauso viel Sprachcamp sind wie dieses Lager. Was mich auch etwas befremdet hat, war, dass die Teamleiter ihre Gruppen immer unter genauester Beobachtung hatten. Extremstes Beispiel dafür war der Weg vom Wohngebäude zum Essensgebäude, ca. 200 m auf dem eingezäunten Campgelände. Vor jedem Essen haben sich die Gruppen vor dem Wohngebäude gesammelt, wurden durchgezählt und sind dann geschlossen den Weg gegangen - und das Gleiche dann noch mal auf dem Rückweg. Ich habe irgendwann mal erwähnt, dass ich das für etwas übertrieben halte, besonders für die ältesten Gruppen. Mir wurde dann erzählt, dass es im vorherigen Wintercamp einen schrecklichen Vorfall gab: Zwei kleine Mädchen sind heimlich weggelaufen und auf die nahegelegene Wolga gegangen. Sie sind im Eis eingebrochen und ertrunken. Die Mitarbeiterin, die für die Gruppe verantwortlich war, hat eine Gefängnisstrafe von 1,5 Jahren bekommen.
Neben den Teamleitern gab es uns Lehrer: Mich als einzige Deutschlehrerin, Maria (eine Mitarbeiterin der Alliance Francaise) und Mael (ein Franzose, der für die Alliance Francaise als Lehrer arbeitet), die französisch unterrichtet haben, und vier Englischlehrer - Kevin, Lewis (aus Südafrika) und Makasa (aus Sambia), die beide in Uljanowks studieren, und Zanda (Maels Freundin aus Lettland). Ich habe erst am Ende des Camps festgestellt, dass wir eigentlich das beste Aushängeschild waren. Hier im tiefsten Russland trifft man nämlich sehr selten auf Ausländer und noch seltener auf Ausländer, die Sprachen unterrichten. Und Alliance francaise konnte damit werben, dass sie für alle Sprachen Muttersprachler als Lehrer haben. Die Krönung des ganzen (auch das habe ich erst am Ende des Camps begriffen) war ich selbst. Ich war nämlich die erste deutsche Deutschlehrerin, die jemals in diesem Camp unterrichtet hat (und es gibt das Camp immerhin schon seit 10 Jahren). Eigentlich sollten wir Lehrer nur unterrichten und sonst keinerlei Verantwortung tragen. Streckenweise habe ich mich tatsächlich wie eine Lehrmaschine gefühlt, wenn von 10 bis 15 Uhr eine Gruppe nach der anderen bei mir durchgeschleust wurde, die alle das gleiche Thema unterrichtet bekommen haben. In der Realität funktioniert lockeres Lernen in so einem Camp aber nur, wenn man sich auch abseits des Unterrichts mit den Kindern beschäftigt. Wir haben deshalb an allen Nicht-Lehraktivitäten teilgenommen - von der Campdisco (jeden Abend! Und die Teilnehmer haben getanzt als gäbe es kein morgen - selbst die älteren) bis hin zum Weihnachtskonzert. Aber ansonsten wäre mir wahrscheinlich auf langweilig geworden, wenn ich immer nur bis 15 Uhr gearbeitet hätte.
| In der Kantine - gute Laune trotz schlechtem Essen |
Eine Sache, die noch anders war, als ich es von meinen Camps gewohnt bin, war, dass hier alles darauf ausgerichtet war, die Kinder zu unterhalten und zu beschäftigen. Die Kinder haben im Gegensatz zu uns Lehrern nicht durchgehend Unterricht gehabt und in ihren Freistunden haben sie Massagen bekommen. Dafür war extra eine Masseuse angestellt. Einen Mitarbeiter hatten wir auch, der nur für die Planung der Freizeitgestaltung zuständig war. Der hat sich ständig neue Sachen einfallen lassen: Ein Märchen verfilmen (die Schneekönigin), einen Ritterkontest (das Oberthema des Camps war "Mittelalter"),... Jeden Abend gab es irgendeinen Ball, ein Konzert oder ähnliches bei dem etwas vorgeführt wurde und leider war Anatolij (der Bespassungs-Mitarbeiter) der Meinung, dass es zu jedem guten Abendprogramm dazu gehört, dass die Lehrer auch einen Auftritt haben. Im Prinzip hatte er Recht, weil unsere Auftritte immer zu den beliebtesten zählten, aber ich bin nun mal einfach keine Rampensau und bin jedesmal fast verzweifelt, wenn wieder mal der Auftrag kam irgendeinen Tanz, ein Lied, einen Zaubertrick etc. vorzubereiten. Das Problem war auch, dass alles immer sehr kurzfristig kam: "Ihr wisst ja, dass morgen Abend die große Gala-Show der Teamleiter und Lehrer ist. Es wäre schön, wenn ihr Lehrer acht Beiträge vorbereiten könntet." - "Acht?!? Bis morgen?!? Reichen nicht auch fünf oder sechs?" - "Nein, eigentlich war das keine Bitte sondern ein Befehl." Er hat übrigens wirklich fließend deutsch gesprochen, weil er im wirklichen Leben Ingenieur ist und für eine Firma arbeitet, deren Zentrale in Deutschland liegt.
| Prinzessinen - der Auftritt der jüngsten Gruppe beim Weihnachtsball |
| Die besten Lehrer! Nach unserem Auftritt beim Weihnachtsball (v.l.n.r: Maria, Makasa, ich, Lewis, Mael, Kevin, Teilnehmer, der ins Bild gelaufen ist) |
Durch die gemeinsamen Proben sind wir Lehrer praktisch zu einem richtigen Team zusammengeschweißt worden. Und auch mit den Teamleitern haben wir uns trotz Sprachproblemen ganz gut verstanden. Eine Nacht haben wir während des Camps gefeiert. Zu meiner Überraschung mit Wodka und Kognak und das unter Teilnahme der Camporganisatorin. Nach Campende gabs für alle Mitarbeiter eine Runde in der Campeigenen Banja (mit Swimming-Pool!). Und in den Wochen danach haben wir uns noch ein paar mal wieder getroffen und Martin hat angefangen der einen Teamleiterin Englischunterricht zu geben.
Im Sommer wird das Camp zwei mal durchgeführt und dauert jeweils zwei Wochen. Wahrscheinlich werde ich auch einmal wieder mitarbeiten.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Essen Teil 3: Kantinen
Seit ich hier bin, esse ich ziemlich häufig in Kantinen. Weil es günstig ist oder weil mir nichts anderes übrig bleibt.
Mein eindeutiger Favorit ist die Mensa der Uni. Es gibt eine große Auswahl an traditionellem russischen Essen, so dass man sich für wenig Geld ein leckeres Menü zusammenstellen kann.
Worunter ich echt leide, ist das Schulessen. Es gibt in Russland Ganztagsschulen und deshalb auch Schulverpflegung. Da auch wir ganze Tage an unserer Schule verbringen, ist es leider die einzige Möglichkeit Nahrung zu sich zu nehmen. Die Versorgung läuft hier anders als ich es zum Beispiel noch aus Frankreich in Erinnerung habe. Dort gab es um die Mittagszeit eine lange Pause (2 Stunden) für alle Schüler, in der gegessen werden konnte. Hier müssen die Schüler in den regulären Pausen essen. Und die regulären Pausen dauern für gewöhnlich 15 Minuten. Eine Jahrgangsstufe nach der anderen wird durch den Speisesaal geschleust, beginnend mit den jüngsten bis hin zu den ältesten. Interessant ist dabei die Organisation: Aus den verschiedenen Klassen werden vor dem Essen einzelne Personen entsandt, die den Speisesaal vorbereiten - Besteck und Essen auf den Tischen verteilen - und am Ende alles wieder sauber machen. Dann bringen die Klassenlehrer ihre Klassen zur "Fütterung" und anschließend werden dann noch kurz die Hände gewaschen bevor es weitergeht mit dem Unterricht.
Das typische Schulessen besteht aus einem Glas lauwarmen schwarzen Tee mit Unmengen an Zucker oder ein Glas Kompott, Suppe, einer Portion Reis/Nudeln/Kartoffelpüree/Gretschka (Buchweizen) mit Hackfleisch oder Geschnetzeltem und einer kleinen Portion in Öl-getränktem Krautsalat. Die Suppe verdient den Namen Suppe nicht wirklich, weil den Verdacht habe, dass es nur eine Mischung aus warmen Wasser und Sonnenblumenöl ist, in die irgendwer ein bisschen Kohl oder Pilze geschmissen hat. Die einzige Suppe, die wirklich Geschmack hat ist Fischsuppe, aber das ist ein Geschmack, auf den ich verzichten könnte. Das gute ist, dass selbst die fleischreichsten Suppen (z.B. Soljanka) so vegetarisch sind, dass selbst ich sie esse. Beim "Hauptgang" bin ich immer hin und hergerissen zwischen Ärger, dass ich kein Fleisch esse und dadurch eine noch kleinere Portion bekomme, und Erleichterung, dass ich die undefinierbare Masse, die das Fleisch darstellen soll, nicht essen muss. Lichtblicke sind immer das Brot und manchmal das Dessert. Das Brot ist recht frisch und man kann so viel essen wie man will, was ich dann auch mache, und das Dessert ist meistens irgendein süßes Gebäck, was von Zeiten echt lecker sein kann.
Das hört sich jetzt alles recht schlimm an. Und das ist es auch. Solange es nur zwei mal pro Woche in der Schule ist, ist das Essen tollerierbar, aber während meines Sprachcamps (Beitrag folgt demnächst) gab es eine Woche lang nur solches Essen - morgens, mittags und abends. Ich dachte nach zwei Wochen Bundeswehressen im Sommer, kann ich mich an alles gewöhnen, aber das war echt der Härtefall. Morgens gabs wahlweise Haferschleim oder Cornflakes und überbackene Wurstbrote (der Begriff "Butterbrot" wird übrigens auch im Russischen verwendet) und Mittags und Abends besagtes Kantinenessen. Zu allem Überfluss wurden im Speisesaal noch verdächtig häufig Kakerlaken gesichtet (таракан - Tarakan ist dementsprächend auch das einzige neue russische Wort, dass ich in der Zeit gelernt habe). Nach vier Tagen bin ich dazu übergegangen das Frühstück ganz ausfallen zu lassen und vom Mittag-/Abendessen habe ich immer nur ein paar Bissen gegessen. Ich habe mich praktisch von Brot, dem Zucker im Tee, den Desserts und dem Kefir, der Abends an alle Kinder verteilt wurde, ernärt. Ich hasse Kefir! Ich habe also Essenstechnisch echt gelitten - und ich war nicht die einzige. Allen Lehrern und Teamleitern ging es so, zumal es im Umkreis von mehreren Kilometern keine Einkaufsmöglichkeit gab. Die Kinder habend sich laufend Essen liefern lassen. Von ihren Eltern oder einem Pizzalieferdienst, so dass man in den Gängen die ganze Zeit über Pizza riechen konnte.
Edit: Ich habe mir gerade noch einmal alles durchgelesen und ich habe das Gefühl, dass man mich irgendwie für verwöhnt halten könnte, zumal die russischen Kinder das ja ihr ganzes Leben aushalten. Das Entscheidende ist glaube ich, dass es unterschiedliche Essensauffassungen sind, die hier aufeinanderprallen. Wenn ich mir selbst Essen koche, muss es geschmackvoll und abwechslungsreich sein. Im besten Fall ist es auch noch gesund. Das Kantinenessen soll lediglich einen Zweck erfüllen: Möglichts schnell ernähren. Deshalb gibt es wahrscheinlich auch so wenig Gemüse und dafür viele Kohlenhydrate und deshalb ist wahrscheinlich so viel Zucker im Tee (es ist unglaublich wie satt so ein Glas Tee machen kann). Für eine Mahlzeit am Tag kann ich mich damit arrangieren, aber nicht sieben Tage lang jede Mahlzeit.
Mein eindeutiger Favorit ist die Mensa der Uni. Es gibt eine große Auswahl an traditionellem russischen Essen, so dass man sich für wenig Geld ein leckeres Menü zusammenstellen kann.
Worunter ich echt leide, ist das Schulessen. Es gibt in Russland Ganztagsschulen und deshalb auch Schulverpflegung. Da auch wir ganze Tage an unserer Schule verbringen, ist es leider die einzige Möglichkeit Nahrung zu sich zu nehmen. Die Versorgung läuft hier anders als ich es zum Beispiel noch aus Frankreich in Erinnerung habe. Dort gab es um die Mittagszeit eine lange Pause (2 Stunden) für alle Schüler, in der gegessen werden konnte. Hier müssen die Schüler in den regulären Pausen essen. Und die regulären Pausen dauern für gewöhnlich 15 Minuten. Eine Jahrgangsstufe nach der anderen wird durch den Speisesaal geschleust, beginnend mit den jüngsten bis hin zu den ältesten. Interessant ist dabei die Organisation: Aus den verschiedenen Klassen werden vor dem Essen einzelne Personen entsandt, die den Speisesaal vorbereiten - Besteck und Essen auf den Tischen verteilen - und am Ende alles wieder sauber machen. Dann bringen die Klassenlehrer ihre Klassen zur "Fütterung" und anschließend werden dann noch kurz die Hände gewaschen bevor es weitergeht mit dem Unterricht.
Das typische Schulessen besteht aus einem Glas lauwarmen schwarzen Tee mit Unmengen an Zucker oder ein Glas Kompott, Suppe, einer Portion Reis/Nudeln/Kartoffelpüree/Gretschka (Buchweizen) mit Hackfleisch oder Geschnetzeltem und einer kleinen Portion in Öl-getränktem Krautsalat. Die Suppe verdient den Namen Suppe nicht wirklich, weil den Verdacht habe, dass es nur eine Mischung aus warmen Wasser und Sonnenblumenöl ist, in die irgendwer ein bisschen Kohl oder Pilze geschmissen hat. Die einzige Suppe, die wirklich Geschmack hat ist Fischsuppe, aber das ist ein Geschmack, auf den ich verzichten könnte. Das gute ist, dass selbst die fleischreichsten Suppen (z.B. Soljanka) so vegetarisch sind, dass selbst ich sie esse. Beim "Hauptgang" bin ich immer hin und hergerissen zwischen Ärger, dass ich kein Fleisch esse und dadurch eine noch kleinere Portion bekomme, und Erleichterung, dass ich die undefinierbare Masse, die das Fleisch darstellen soll, nicht essen muss. Lichtblicke sind immer das Brot und manchmal das Dessert. Das Brot ist recht frisch und man kann so viel essen wie man will, was ich dann auch mache, und das Dessert ist meistens irgendein süßes Gebäck, was von Zeiten echt lecker sein kann.
Das hört sich jetzt alles recht schlimm an. Und das ist es auch. Solange es nur zwei mal pro Woche in der Schule ist, ist das Essen tollerierbar, aber während meines Sprachcamps (Beitrag folgt demnächst) gab es eine Woche lang nur solches Essen - morgens, mittags und abends. Ich dachte nach zwei Wochen Bundeswehressen im Sommer, kann ich mich an alles gewöhnen, aber das war echt der Härtefall. Morgens gabs wahlweise Haferschleim oder Cornflakes und überbackene Wurstbrote (der Begriff "Butterbrot" wird übrigens auch im Russischen verwendet) und Mittags und Abends besagtes Kantinenessen. Zu allem Überfluss wurden im Speisesaal noch verdächtig häufig Kakerlaken gesichtet (таракан - Tarakan ist dementsprächend auch das einzige neue russische Wort, dass ich in der Zeit gelernt habe). Nach vier Tagen bin ich dazu übergegangen das Frühstück ganz ausfallen zu lassen und vom Mittag-/Abendessen habe ich immer nur ein paar Bissen gegessen. Ich habe mich praktisch von Brot, dem Zucker im Tee, den Desserts und dem Kefir, der Abends an alle Kinder verteilt wurde, ernärt. Ich hasse Kefir! Ich habe also Essenstechnisch echt gelitten - und ich war nicht die einzige. Allen Lehrern und Teamleitern ging es so, zumal es im Umkreis von mehreren Kilometern keine Einkaufsmöglichkeit gab. Die Kinder habend sich laufend Essen liefern lassen. Von ihren Eltern oder einem Pizzalieferdienst, so dass man in den Gängen die ganze Zeit über Pizza riechen konnte.
Edit: Ich habe mir gerade noch einmal alles durchgelesen und ich habe das Gefühl, dass man mich irgendwie für verwöhnt halten könnte, zumal die russischen Kinder das ja ihr ganzes Leben aushalten. Das Entscheidende ist glaube ich, dass es unterschiedliche Essensauffassungen sind, die hier aufeinanderprallen. Wenn ich mir selbst Essen koche, muss es geschmackvoll und abwechslungsreich sein. Im besten Fall ist es auch noch gesund. Das Kantinenessen soll lediglich einen Zweck erfüllen: Möglichts schnell ernähren. Deshalb gibt es wahrscheinlich auch so wenig Gemüse und dafür viele Kohlenhydrate und deshalb ist wahrscheinlich so viel Zucker im Tee (es ist unglaublich wie satt so ein Glas Tee machen kann). Für eine Mahlzeit am Tag kann ich mich damit arrangieren, aber nicht sieben Tage lang jede Mahlzeit.
Eisbaden
Ich habe es tatsächlich getan! Allerdings gibt es keinerlei Fotos oder Videos, also wird jeder selbst die Glaubhaftigkeit meiner Geschichte einschätzen müssen.
Am 19. Januar um 0.30 Uhr haben wir uns auf den Weg an die Wolga gemacht. Außentemperatur: ca. -10° C. Wir, das waren Kevin, Yuri, Zhenya und ich. Martin hatte noch "zu viel zu tun" (nette Ausrede). Tatsächlich waren wir nicht die einzigen, die so ein verrücktes Vorhaben gestartet haben. Togliatti liegt nicht direkt an der Wolga, wie Städte im klassischen Sinne an Flüssen liegen (Hamburg, Berlin, Moskau etc.). Es liegt vielmehr neben der Wolga und zwischen beiden befinden sich mehrere Quadratkilometer Wald (die grüne Zone). Durch diese grüne Zone führt eine Straße, die normalerweise nur als Transitstrecke zwischen den Stadtteilen benutzt wird. In dieser Nacht haben am Rand der Straße überall Autos geparkt, von Menschen, die Eisbaden wollten.
Auch wir haben unser Auto an der Hauptstraße stehen lassen und haben uns an den Abstieg an die Wolga gemacht. Unten am Flussufer angekommen haben wir erst mal schadenfroh all diejenigen betrachtet, die mit ihrem Auto direkt bis ans Ufer fahren mussten und jetzt auf den kleinen Seitenwegen natürlich in endlosen Staus standen. Kurz darauf mussten wir allerdings selber warten. Die Polizei hat nämlich immer nur eine gewisse Anzahl an Personen aufs Eis gelassen - der Rest musste warten. Nach einer halben Stunde Wartezeit in eisiger Kälte durften wir endlich aufs Eis.
Das Eisloch selbst war ungefähr 1,5 x 2 m groß. Letztendlich war es dann natürlich doch nicht kreuzförmig, sondern es stand nur ein Kreuz davor. In das Loch herein hat eine Treppe geführt und außen herum standen Tannenbäume als Windschutz. Das ganze schön beleuchtet und nebenan noch ein Zelt - zusammen mit den ganzen Leuten ist fast ein bisschen Volksfeststimmung aufgekommen (zumal viele der Leute sich schon etwas Wärme angetrunken haben).
Als ich mich erst einmal ausgezogen hatte, ging es ganz schnell. Normalerweise sollte man in das Eisloch steigen und drei mal komplett untertauchen. Einige haben das auch sehr exzessiv praktiziert (eintauchen, unzählige Male bekreuzigen, wieder eintauchen, bekreuzigen usw.). Auf das Kopfeintauchen habe ich verzichtet, weil ich Angst hatte, dass mein Haar dann in kürzester Zeit einfriert und ich stundenlang mit gefrorenen Haaren rumlaufe. Ich bin nur kurz rein und wieder raus. Dem Eisloch entstiegen stellt sich das unglaublichste Gefühl ein. Es ist, als ob der Körper auf einmal auf Hochtouren läuft. Mir war so war, dass ich locker noch eine Weile auf dem Eis hätte rumlaufen können. Das habe ich dann auch erst mal ganz unbedarft gemacht, weil sowohl meine Zehen als auch die Gummiriemen von meinen Flip-Flops steifgefroren waren, weshalb ich nicht in selbige reinschlüpfen konnte. Ich habe also erst einmal eine Runde barfuss auf dem Eis gedreht. Zhenya hat mir nur schnell sein Handtuch hingeworfen "Stell dich darauf!" Als ich halb angezogen war, habe ich festgestellt, dass ich noch meine nasse Badekleidung anhatte, weshalb ich mich nochmals umziehen musste. Aber mir war so warm, dass mir das alles gar nichts ausgemacht hat.
Das Schlimmste an dem Abend war letztenendes der Aufstieg zurück zur Straße. Diejenigen, die vor einigen Jahren mit mir den Aufstieg auf die Turda-Schlucht gemacht haben, wissen um meine Bergsteigerkünste. Jetzt war es zwar nicht Sommerhitze, ich bin mittlerweile etwas besser trainiert und der "Aufstieg" war auch nicht ganz so lang, aber dafür ging es durch tiefen frischen Schnee, ich hatte drei Schichten Kleidung an und war mit drei Leuten unterwegs, die den Berg am liebsten hochgerannt wären - der reinste Horror für mich Flachlandkind.
Am 19. Januar um 0.30 Uhr haben wir uns auf den Weg an die Wolga gemacht. Außentemperatur: ca. -10° C. Wir, das waren Kevin, Yuri, Zhenya und ich. Martin hatte noch "zu viel zu tun" (nette Ausrede). Tatsächlich waren wir nicht die einzigen, die so ein verrücktes Vorhaben gestartet haben. Togliatti liegt nicht direkt an der Wolga, wie Städte im klassischen Sinne an Flüssen liegen (Hamburg, Berlin, Moskau etc.). Es liegt vielmehr neben der Wolga und zwischen beiden befinden sich mehrere Quadratkilometer Wald (die grüne Zone). Durch diese grüne Zone führt eine Straße, die normalerweise nur als Transitstrecke zwischen den Stadtteilen benutzt wird. In dieser Nacht haben am Rand der Straße überall Autos geparkt, von Menschen, die Eisbaden wollten.
Auch wir haben unser Auto an der Hauptstraße stehen lassen und haben uns an den Abstieg an die Wolga gemacht. Unten am Flussufer angekommen haben wir erst mal schadenfroh all diejenigen betrachtet, die mit ihrem Auto direkt bis ans Ufer fahren mussten und jetzt auf den kleinen Seitenwegen natürlich in endlosen Staus standen. Kurz darauf mussten wir allerdings selber warten. Die Polizei hat nämlich immer nur eine gewisse Anzahl an Personen aufs Eis gelassen - der Rest musste warten. Nach einer halben Stunde Wartezeit in eisiger Kälte durften wir endlich aufs Eis.
| Blick auf die Wolga bei Tage |
Das Eisloch selbst war ungefähr 1,5 x 2 m groß. Letztendlich war es dann natürlich doch nicht kreuzförmig, sondern es stand nur ein Kreuz davor. In das Loch herein hat eine Treppe geführt und außen herum standen Tannenbäume als Windschutz. Das ganze schön beleuchtet und nebenan noch ein Zelt - zusammen mit den ganzen Leuten ist fast ein bisschen Volksfeststimmung aufgekommen (zumal viele der Leute sich schon etwas Wärme angetrunken haben).
| Wie im tiefsten Sibirien :) |
Das Schlimmste an dem Abend war letztenendes der Aufstieg zurück zur Straße. Diejenigen, die vor einigen Jahren mit mir den Aufstieg auf die Turda-Schlucht gemacht haben, wissen um meine Bergsteigerkünste. Jetzt war es zwar nicht Sommerhitze, ich bin mittlerweile etwas besser trainiert und der "Aufstieg" war auch nicht ganz so lang, aber dafür ging es durch tiefen frischen Schnee, ich hatte drei Schichten Kleidung an und war mit drei Leuten unterwegs, die den Berg am liebsten hochgerannt wären - der reinste Horror für mich Flachlandkind.
Mittwoch, 18. Januar 2012
Winter
Mein Laptop ist zur Zeit kaputt und schon seit einer gefühlten Ewigkeit in der Reparatur. Diesen Eintrag schreibe ich von Martins Laptop. Für mich als Internetabhängige ist es eine ganz neue Situation einmal für so lange Zeit komplett ohne Computer auszukommen. Aber ich habe dadurch viel Zeit, mich auf andere, lange vernachlässigte Dinge zu konzentrieren. Ich lese viel, schreibe Briefe (in ca. 3 Wochen dürfen einige Personen mit Post rechnen) und genieße vor allem den ersten richtigen Winter meines Lebens.
Die ersten Januarwochen waren hier in Togliatti wettertechnisch der Wahnsinn. Zuerst hat es für zwei Tage leicht getaut, was dazu geführt hat, dass der schon gefallene Schnee in sich zusammengesackt ist. Danach war es für zwei Tage sehr kalt (bis zu -16°) und der zusammengesackte Schnee ist hart und rutschig geworden. Deshalb hat sich jeder nur noch schlitternd vorwärtbewegt, was die ganze Schneefläche natürlich noch zusätzlich zusammengepresst und glattgeschliffen hat. Eine Woche lang war ganz Togliatti eine einzige riesige Eisfläche! Und damit meine ich nicht gefrierende Nässe à la Deutschland (darüber lacht man hier und rast trotzdem noch mit 80 km/h durch die Innenstadt), sondern wirklich Zentimeterdickes Eis, wie auf einer Eislaufbahn. Ich habe bin in dieser Woche garantiert jeden Tag einmal ausgerutscht.
Passend zum eisigen Togliatti haben Martin und ich auch eine neue Abendbeschäftigung entdeckt: Schlittschuhlaufen. Hier in Russland muss in der Nähe von jeder Schule eine Eislaufbahn sein, weil im Winter im Sportunterricht Eis- und Skilauf im Sportunterricht auf dem Plan stehen. Da wir in der Nähe einer Schule wohnen, haben wir das Privileg, direkt vor unserer Haustür eine Eislaufbahn zu haben, die noch dazu die ganze Nacht über beleuchtet ist. Martin und ich haben uns schon Ende Dezember Schlittschuhe gekauft, sind aber bisher nicht dazu gekommen, sie auszuprobieren. Am Freitag hat es dann endlich mal geklappt und seitdem waren wir fast jeden Tag eislaufen. Neben den ganzen Kindern, die wie gesagt in der Schule Eislauf lernen, sehen wir aus wie Amateure. Deshalb sind wir dazu übergegangen immer später Abends zu gehen. Gestern sind wir bis um 1 Uhr Nachts eisgelaufen. Noch schlimmer wirken wir allerdings im Kontrast zu Yury und Zhenya. Yuri macht auf dem Eis irgendwelche Break-Dance-Kunststücke und an Zhenya ist ein echter Eiskunstläufer verlorengegangen.
Um den Winter perfekt zu machen schneit es nun seit mittlerweile zwei Tagen ununterbrochen. Die Schneeberge an den Straßenrändern sind mittlerweile weit größer als ich und ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass, falls es so weiterschneit, der Verkehr komplett zum erliegen kommt. Unvorstellbar in dieser Autostadt. Der Schnee erschwert natürlich auch mein neues Hobby: Gestern waren auf der Eislauffläche nur einzelne Gänge, wie in einem Labyrinth freigelegt. Und selbst die mussten wir regelmässig räumen, da sie sonst wieder zu geschneit wären.
Morgen werde ich an einer echten russischen Winter-Tradition teilnehmen. Der Eistaufe. Wenn ich es mit meinem eingeschränkten Russisch richtig verstanden habe, gibt es im orthodoxen Glauben am 19. Januar einen Feiertag, an dem alles Wasser als heilig gilt. Deshalb springen an diesem Tag ins Wasser. Problem: über dem Wasser ist eine Zentimeterdicke Eisfläche. Das heißt ich werde durch ein Loch im Eis in die Wolga springen - und das um Mitternacht - und ich bin nicht die Einzige, sondern es werden noch Unmengen an anderen Menschen dort sein. Eventuell gehen wir davor oder danch noch in die Banja, aber das steht noch nicht fest. Zuletzt stand auch noch zur Debatte, dass wir in ein Kloster fahren, dass direkt an der Wolga liegt, weil das Eisloch dort angeblich kreuzförmig ist...
Wie man das ganze überstehen soll, weiß ich noch nicht. Aber angeblich ist es im Wasser nicht kalt sondern nur außerhalb.
Schlittschuhlaufen Russian-Style: Rennen im Schneelabyrinth (Der langsame am Anfang ist Martin, die beiden schnellen Yury und Zhenya)
| Neuschnee die 1. |
| Neuschnee die 2. |
Um den Winter perfekt zu machen schneit es nun seit mittlerweile zwei Tagen ununterbrochen. Die Schneeberge an den Straßenrändern sind mittlerweile weit größer als ich und ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass, falls es so weiterschneit, der Verkehr komplett zum erliegen kommt. Unvorstellbar in dieser Autostadt. Der Schnee erschwert natürlich auch mein neues Hobby: Gestern waren auf der Eislauffläche nur einzelne Gänge, wie in einem Labyrinth freigelegt. Und selbst die mussten wir regelmässig räumen, da sie sonst wieder zu geschneit wären.
Morgen werde ich an einer echten russischen Winter-Tradition teilnehmen. Der Eistaufe. Wenn ich es mit meinem eingeschränkten Russisch richtig verstanden habe, gibt es im orthodoxen Glauben am 19. Januar einen Feiertag, an dem alles Wasser als heilig gilt. Deshalb springen an diesem Tag ins Wasser. Problem: über dem Wasser ist eine Zentimeterdicke Eisfläche. Das heißt ich werde durch ein Loch im Eis in die Wolga springen - und das um Mitternacht - und ich bin nicht die Einzige, sondern es werden noch Unmengen an anderen Menschen dort sein. Eventuell gehen wir davor oder danch noch in die Banja, aber das steht noch nicht fest. Zuletzt stand auch noch zur Debatte, dass wir in ein Kloster fahren, dass direkt an der Wolga liegt, weil das Eisloch dort angeblich kreuzförmig ist...
Wie man das ganze überstehen soll, weiß ich noch nicht. Aber angeblich ist es im Wasser nicht kalt sondern nur außerhalb.
Dienstag, 3. Januar 2012
С Новым годом - Frohes Neues Jahr
Über meine Neujahrsfeier kann ich nur eins mit Sicherheit sagen: Dass sie auf jeden Fall die Längste war, die ich je hatte. Um 12.00 Uhr (Mittags) am 1. Januar bin ich endlich in mein Bett gefallen. Bis dahin bin ich an vielen verschiedenen Orten gewesen.
Angefangen hat alles wie immer in Russland: Etwas chaotisch. Unser Plan war Party-Hopping - eine Idee von Yuri. Anfangen sollte alles mit Essen in unserem Appartment mit Essen, um Mitternacht wollten wir dann zum zentralen Platz in unserem Stadtteil gehen und das Feuerwerk anschauen und dann um ca. 3 Uhr zu einem Freund von Zhenya fahren und dort in die Banja gehen. Banja erst um 3, weil Yuri seinen Lebensunterhalt mit Break-Dancing bestreitet (klingt fantastisch, ist aber wirklich so; und er verdient glaube ich nicht schlecht) und in der Silvesternacht mehrere Auftritte in Clubs hatte. Die Idee mit dem Party-Hopping hat mir ziemlich gut gefallen, weil man dadurch nicht immer an einem Ort festhängt. Allerdings hätte ich mir denken können, dass das in Russland und besonders mit meinen Leuten hier nie so funktionieren würde, wie geplant. Es hat dann auch nicht funktioniert, wie geplant, war aber trotzdem toll.
Der erste Teil mit dem Essen ist ausgefallen. Stattdessen hat Yuri uns um 10 Uhr abgeholt und wir sind mit zu seinen Auftritten gefahren. War auch ganz interessant, weil man so mitbekommen hat, wie unterschiedlich die Russen so feiern. Und ich bin immer wieder begeistert von Yuris Break-Dance-Künsten. Das ist eigentlich schon eher Artistik mit Saltos und Handständen auf einer Hand etc. Insgesammt hatte er drei Auftritte: Zwei zwischen 11 und halb 1, den letzten um halb 3. Dazwischen war dann tatsächlich noch Zeit, um auf den zentralen Platz feiern zu gehen. Dort war es fast wie auf einem Volksfest mit Karussels, Pony-Reiten und einem riesigen Tannenbaum in der Mitte. Was mich überrascht hat, war das selbst um 1 Uhr noch viele kleine Kinder mit dabei waren. Einer von Yuris Break-Dance-Kindern war auch da und als wenn drei Auftritte pro Nacht nicht genug wären, hat er sich mit dem Kleinen noch einen "Break-Battle" im Schnee geliefert.
Irgendwann um 4 Uhr sind wir dann doch noch endlich bei Zhenyas Freund angekommen, der in einem Dorf in der Nähe von Togliatti wohnt. Mein erstes Mal in der Banja war echt toll! Für, alle, die nicht wissen, was das ist: Banja ist eine Sauna mit besonderen Extras. Wir haben über drei Stunden in der Banja verbracht, inklusive zwischendurch rausrennen und sich im Schnee wälzen und mit nassen Eichenzweigen ausgepeitscht werden (das gehört dazu, ist aber ganz angenehm).
Als wir um acht Uhr morgens nach Hause fahren wollten, hat Sonja (mit ihr habe ich komischerweise Weihnachten und Neujahr verbracht, obwohl wir uns sonst gar nicht so oft treffen) vorgeschlagen, dass wir noch in ihr Appartment fahren könnten und dort einen letzten Party-Hopping-Stop machen. Martin hat gleich gesagt, dass er lieber nach Hause ins Bett möchte, aber Kevin war ziemlich begeistert, weshalb ich mich auch noch breitschlagen lassen habe. Wir sind in zwei Autos gefahren: Ich mit Zhenya und Sonja, die anderen beiden mit Yuri - und natürlich hat Kevin auf der Fahrt festgestellt, dass er doch ganz schön müde ist, und ist dann gleich mit Martin zu Hause ausgestiegen. Ich bin also die letzte Überlebende von uns drei Freiwilligen gewesen, aber wir haben die Feier bei Sonja ruhig mit Tee ausklingen lassen, alle etwas geschädigt von der langen Nacht. Am Ende war ich allerdings überhaupt nicht mehr müde, vielleicht sollte ich öfter ohne Alkohol feiern. Meine liebe Familie sollte übrigens auch mal darüber nachdenken - macht den Tag danach auch wesentlich angenehmer ;)
Angefangen hat alles wie immer in Russland: Etwas chaotisch. Unser Plan war Party-Hopping - eine Idee von Yuri. Anfangen sollte alles mit Essen in unserem Appartment mit Essen, um Mitternacht wollten wir dann zum zentralen Platz in unserem Stadtteil gehen und das Feuerwerk anschauen und dann um ca. 3 Uhr zu einem Freund von Zhenya fahren und dort in die Banja gehen. Banja erst um 3, weil Yuri seinen Lebensunterhalt mit Break-Dancing bestreitet (klingt fantastisch, ist aber wirklich so; und er verdient glaube ich nicht schlecht) und in der Silvesternacht mehrere Auftritte in Clubs hatte. Die Idee mit dem Party-Hopping hat mir ziemlich gut gefallen, weil man dadurch nicht immer an einem Ort festhängt. Allerdings hätte ich mir denken können, dass das in Russland und besonders mit meinen Leuten hier nie so funktionieren würde, wie geplant. Es hat dann auch nicht funktioniert, wie geplant, war aber trotzdem toll.
Der erste Teil mit dem Essen ist ausgefallen. Stattdessen hat Yuri uns um 10 Uhr abgeholt und wir sind mit zu seinen Auftritten gefahren. War auch ganz interessant, weil man so mitbekommen hat, wie unterschiedlich die Russen so feiern. Und ich bin immer wieder begeistert von Yuris Break-Dance-Künsten. Das ist eigentlich schon eher Artistik mit Saltos und Handständen auf einer Hand etc. Insgesammt hatte er drei Auftritte: Zwei zwischen 11 und halb 1, den letzten um halb 3. Dazwischen war dann tatsächlich noch Zeit, um auf den zentralen Platz feiern zu gehen. Dort war es fast wie auf einem Volksfest mit Karussels, Pony-Reiten und einem riesigen Tannenbaum in der Mitte. Was mich überrascht hat, war das selbst um 1 Uhr noch viele kleine Kinder mit dabei waren. Einer von Yuris Break-Dance-Kindern war auch da und als wenn drei Auftritte pro Nacht nicht genug wären, hat er sich mit dem Kleinen noch einen "Break-Battle" im Schnee geliefert.
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| Großer Neujahrsbaum am zentralen Platz |
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| Vor dem Baum (Die weiße Mütze ist übrigens Teil des Showoutfits) |
Irgendwann um 4 Uhr sind wir dann doch noch endlich bei Zhenyas Freund angekommen, der in einem Dorf in der Nähe von Togliatti wohnt. Mein erstes Mal in der Banja war echt toll! Für, alle, die nicht wissen, was das ist: Banja ist eine Sauna mit besonderen Extras. Wir haben über drei Stunden in der Banja verbracht, inklusive zwischendurch rausrennen und sich im Schnee wälzen und mit nassen Eichenzweigen ausgepeitscht werden (das gehört dazu, ist aber ganz angenehm).![]() |
| Break-Battle im Schnee |
Montag, 2. Januar 2012
Weihnachts- bzw. Neujahrszeit in Russland – oder: Was bedeuten all diese Drachen?
Für mich war dieses Jahr das erste Weihnachten, das ich nicht zu Hause bei meiner Familie verbracht habe, und es war so unspektakulär-deprimierend, dass ich als Fazit aus der ganzen Sache einfach nur die Hoffnung gezogen habe, dass nächstes Jahr Weihnachten wieder besser wird.
Zu Weihnachtstraditionen in Russland will ich gar nicht viel erzählen. Wer interessiert ist, findet sicherlich selbst genug im Internet. Nur zum allgemeinen Verständnis: Russland ist orthodox. Das heißt, dass Weihnachten am 7. Januar gefeiert wird. Wobei feiern übertrieben ist, weil der 7. Januar wirklich nur ein religiöser Tag ist. Gläubige Menschen verbringen den ganzen Tag in der Kirche und im Fernsehen läuft ein religiöser Erbauungsfilm nach dem anderen. Für alle Nicht-Gläubigen ist es einfach nur ein normaler Tag, an dem frei ist und nichts Gutes im Fernsehen läuft. Die Tatsache, dass Weihnachten lediglich religiös ist, hat dazu geführt, dass es nicht ansatzweise so populär ist wie unser Weihnachten. Der beste Beweis ist, dass ich in der nächsten Woche in einem Sprachencamp für Kinder und Jugendliche mitarbeite, dass sich auch über den Weihnachtsfeiertag erstreckt und an dem ca. 100 Kinder und Jugendliche teilnehmen. Weihnachten wird also nur ein minder wichtiger Feiertag.
Der einzige Feiertag, der ansatzweise mit unserem Weihnachten vergleichbar ist, ist Silvester. Hier gibt es Geschenke, einen Neujahrsbaum, Дед Мороз (Väterchen Frost) kommt mit seiner Enkeltochter Снегурочка (Schneeflöckchen) zu Besuch und es gibt viel zu viel zu Essen. Vorzugsweise Salate mit viel Mayonnaise. Allerdings ist selbst Silvester anders als Weihnachten. Ich weiß, es ist eine ausgelutschte Floskel, aber das tolle an Weihnachten ist die Besinnlichkeit. Die Neujahrsfeiern hier beginnen zwar besinnlich in der Familie mit Essen und Geschenken, enden dann jedoch irgendwann in einer Party. Man verkleidet sich sogar.
Das ist wahrscheinlich der Grund, warum es für Russen schwierig ist nachzuvollziehen, was Weihnachten für uns bedeutet. Die meisten Leute hier wissen alles über Weihnachtstraditionen und den Ablauf der Feierlichkeiten im Westen, aber es ist für sie nur Faktenwissen. So mussten wir hart dafür kämpfen uns die Weihnachtstage frei von Arbeit zu halten und ganz gelungen ist es uns nicht. Am 24. Dezember haben wir an unserer Schule einen Vortrag über Weihnachten in Deutschland gehalten und mussten im Anschluss in traurige Gesichter gucken, als wir um 17.30 Uhr dann doch endlich nach Hause wollten und nicht noch die vierte Tasse Tee trinken wollten. Unsere Freunde schienen auch alle besorgt um uns und haben uns ständig gefragt, wo wir denn am Heiligen Abend feiern. Dass wir einfach nur zu Hause sitzen und die Ruhe genießen wollten, konnte anscheinend niemand nachvollziehen.
Heiligabend verlief dann wie gesagt extrem unweihnachtlich. Martin war zu der Zeit nicht in Togliatti, deshalb waren Kevin und ich alleine zu Hause. Nachdem wir den halben Tag gearbeitet haben, gab es zu Hause Kartoffelsalat (von Kevin gemacht). Nicht ganz mein Weihnachtsessen, aber ich glaube es wäre auch schwierig geworden einen ganzen Puter zuzubereiten. Zumal ich den ja selbst gar nicht esse. Nebenbei musste ich noch dafür kämpfen, dass neben der ganzen über-säkularisierten-DDR-„Traditions“-Weihnachtsmusik auch ab und zu mal ein Lied gespielt wurde, das ich kenne. Neben Kevin komme ich mir immer vor wie eine konservative, religiöse, westdeutsche CDU-Wählerin. Er neigt etwas zur Ost-Verherrlichung. Nachdem mein Internet dann einen Strich durch alle meine Pläne für skype-Gespräche gemacht hat, habe ich festgestellt, dass Besinnlichkeit ohne Familie oder etwas Familienähnlichem einfach nicht funktioniert, und als dann um zehn Uhr Freunde von uns angerufen haben, und gefragt haben, ob wir Lust auf Party hätten, haben wir zugesagt. Heiligabend hat also in einem Club geendet.
Nachdem unser Weihnachten vorbei war, ging dann praktisch noch mal die Weihnachtszeit los. Und diesmal richtig, wie man es aus Deutschland kennt. Mit Tannenbäumen, Lichterketten, Menschen, die in Supermärkten einkaufen, als wenn der Weltuntergang bevorsteht, und Weihnachtsmusik. Es ist schon sonderbar am 28. Dezember noch Jingle Bells zu hören und Leute mit Weihnachtsbäumen nach Hause laufen zu sehen. Eine Sache, die mir in der Zeit aufgefallen ist, war, das neben den üblichen Weihnachtsfiguren (Djed Maros und Snegurotschka) häufig auch ein Drache abgebildet wurde. Zuerst habe ich mir darüber weiter keine Gedanken gemacht, aber als ich dann die ersten Drachen-Kärtchen, Drachen-Kerzen, Drachen-Figürchen etc. geschenkt bekommen habe, habe ich dann doch mal nachgefragt, was all diese Drachen bedeuten. Mir wurde dann erklärt, dass nächstes Jahr nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Drachen ist und dass dem chinesischen Kalender viel Bedeutung zugemessen wird. Ich habe dann noch versucht zu erfahren, warum denn schon zum russischen Neujahrsfest Drachen verschenkt werden, wobei das chinesische Neujahr doch erst Wochen später ist, aber dessen ist man sich in Russland entweder nicht bewusst oder man ignoriert es einfach. Das Jahr des Drachen beginnt am 1. Januar! (Ich bin hier übrigens nur von Co-Tigern umgeben und einer Ratte umgeben :))
Ein Bericht über meine Neujahrsfeier folgt demnächst!
Zu Weihnachtstraditionen in Russland will ich gar nicht viel erzählen. Wer interessiert ist, findet sicherlich selbst genug im Internet. Nur zum allgemeinen Verständnis: Russland ist orthodox. Das heißt, dass Weihnachten am 7. Januar gefeiert wird. Wobei feiern übertrieben ist, weil der 7. Januar wirklich nur ein religiöser Tag ist. Gläubige Menschen verbringen den ganzen Tag in der Kirche und im Fernsehen läuft ein religiöser Erbauungsfilm nach dem anderen. Für alle Nicht-Gläubigen ist es einfach nur ein normaler Tag, an dem frei ist und nichts Gutes im Fernsehen läuft. Die Tatsache, dass Weihnachten lediglich religiös ist, hat dazu geführt, dass es nicht ansatzweise so populär ist wie unser Weihnachten. Der beste Beweis ist, dass ich in der nächsten Woche in einem Sprachencamp für Kinder und Jugendliche mitarbeite, dass sich auch über den Weihnachtsfeiertag erstreckt und an dem ca. 100 Kinder und Jugendliche teilnehmen. Weihnachten wird also nur ein minder wichtiger Feiertag.
| Unser Plan: Den Chance Kindern die deutsche Tradition des Pfefferkuchenhauses nähberbringen... |
| ... und was unsere geliebten ungeduldigen Kinder daraus gemacht haben. Es wurden dann auch gleich aufgegessen. |
Das ist wahrscheinlich der Grund, warum es für Russen schwierig ist nachzuvollziehen, was Weihnachten für uns bedeutet. Die meisten Leute hier wissen alles über Weihnachtstraditionen und den Ablauf der Feierlichkeiten im Westen, aber es ist für sie nur Faktenwissen. So mussten wir hart dafür kämpfen uns die Weihnachtstage frei von Arbeit zu halten und ganz gelungen ist es uns nicht. Am 24. Dezember haben wir an unserer Schule einen Vortrag über Weihnachten in Deutschland gehalten und mussten im Anschluss in traurige Gesichter gucken, als wir um 17.30 Uhr dann doch endlich nach Hause wollten und nicht noch die vierte Tasse Tee trinken wollten. Unsere Freunde schienen auch alle besorgt um uns und haben uns ständig gefragt, wo wir denn am Heiligen Abend feiern. Dass wir einfach nur zu Hause sitzen und die Ruhe genießen wollten, konnte anscheinend niemand nachvollziehen.
Heiligabend verlief dann wie gesagt extrem unweihnachtlich. Martin war zu der Zeit nicht in Togliatti, deshalb waren Kevin und ich alleine zu Hause. Nachdem wir den halben Tag gearbeitet haben, gab es zu Hause Kartoffelsalat (von Kevin gemacht). Nicht ganz mein Weihnachtsessen, aber ich glaube es wäre auch schwierig geworden einen ganzen Puter zuzubereiten. Zumal ich den ja selbst gar nicht esse. Nebenbei musste ich noch dafür kämpfen, dass neben der ganzen über-säkularisierten-DDR-„Traditions“-Weihnachtsmusik auch ab und zu mal ein Lied gespielt wurde, das ich kenne. Neben Kevin komme ich mir immer vor wie eine konservative, religiöse, westdeutsche CDU-Wählerin. Er neigt etwas zur Ost-Verherrlichung. Nachdem mein Internet dann einen Strich durch alle meine Pläne für skype-Gespräche gemacht hat, habe ich festgestellt, dass Besinnlichkeit ohne Familie oder etwas Familienähnlichem einfach nicht funktioniert, und als dann um zehn Uhr Freunde von uns angerufen haben, und gefragt haben, ob wir Lust auf Party hätten, haben wir zugesagt. Heiligabend hat also in einem Club geendet.
| Neujahrsball an unserer Schule - ziemlich professionell, jeder Tanzschulenabschlussball sieht blass aus gegen so viel Talent (und das meine ich ernst!) |
Nachdem unser Weihnachten vorbei war, ging dann praktisch noch mal die Weihnachtszeit los. Und diesmal richtig, wie man es aus Deutschland kennt. Mit Tannenbäumen, Lichterketten, Menschen, die in Supermärkten einkaufen, als wenn der Weltuntergang bevorsteht, und Weihnachtsmusik. Es ist schon sonderbar am 28. Dezember noch Jingle Bells zu hören und Leute mit Weihnachtsbäumen nach Hause laufen zu sehen. Eine Sache, die mir in der Zeit aufgefallen ist, war, das neben den üblichen Weihnachtsfiguren (Djed Maros und Snegurotschka) häufig auch ein Drache abgebildet wurde. Zuerst habe ich mir darüber weiter keine Gedanken gemacht, aber als ich dann die ersten Drachen-Kärtchen, Drachen-Kerzen, Drachen-Figürchen etc. geschenkt bekommen habe, habe ich dann doch mal nachgefragt, was all diese Drachen bedeuten. Mir wurde dann erklärt, dass nächstes Jahr nach dem chinesischen Kalender das Jahr des Drachen ist und dass dem chinesischen Kalender viel Bedeutung zugemessen wird. Ich habe dann noch versucht zu erfahren, warum denn schon zum russischen Neujahrsfest Drachen verschenkt werden, wobei das chinesische Neujahr doch erst Wochen später ist, aber dessen ist man sich in Russland entweder nicht bewusst oder man ignoriert es einfach. Das Jahr des Drachen beginnt am 1. Januar! (Ich bin hier übrigens nur von Co-Tigern umgeben und einer Ratte umgeben :))
| Drachen überall, sogar auf der Torte zum Neujahrsball. (Das Bild ist leider etwas verzerrt) |
Ein Bericht über meine Neujahrsfeier folgt demnächst!
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